Steindolmen
Geschichte und Geschichten aus Skandinavien
Sømarkedysse, Møn

Poskær Stenhus - Dänemarks größter Runddolmen

Poskær Stenhus

Am Rand der schönen Hügellandschaft der Mols Bjerge im Osten Jütlands, auf halbem Weg zwischen Agri und Knebel, liegt der Steindolmen Poskær Stenhus ("Steinhaus"), auch Knebel-Dolmen genannt, einer der schönsten und bekanntesten Steindolmen Dänemarks. Er wurde in der Trichterbecherkultur der Bauernsteinzeit um 3300 v.Chr. angelegt und hat vermutlich als gemeinsamer Begräbnis- und Kultplatz für die Siedlungen der Umgebung gedient.

Poskær Stenhus am Rand der Mols Bjerge
Poskær Stenhus am Rand der Mols Bjerge

Poskær Stenus ist Dänemarks größter Runddolmen. Besonders imposant ist die Größe seiner Steine: Die große sechseckige Grabkammer besteht aus fünf großen, leicht einwärts gerichteten Tragsteinen, auf denen ein etwa 15 Tonnen schwerer Deckstein liegt. Die Grabkammer liegt nach Osten verschoben innerhalb eines umschließenden Steinkreises von etwa 13 Metern Durchmesser, der aus 23 von ursprünglich 24 dicht stehenden, mehr als mannshohen und über 5 Tonnen schweren Randsteinen besteht. Da die Kammer nicht in der Mitte des Kreises liegt, hat es wahrscheinlich noch eine zweite Kammer gegeben, von der jedoch nur noch schwache Spuren vorhanden sind.

Poskær Stenhus, Grabkammer mit Deckstein
Der etwa 15 Tonnen schwere Deckstein der Grabkammer von Poskær Stenhus ist ein Zwillings- oder Paarstein

Der Deckstein der Grabkammer ist besonders bemerkenswert. Die zur Kammer gerichtete Unterseite des Steins ist, wie auch einige der Tragsteine, vollkommen flach. Dieser Deckstein ist ein sogenannter Zwillings- oder Paarstein. Er ist die eine Hälfte eines enormen rötlichen Granit-Findlings, der während der letzten Eiszeit vor ca. 15000 Jahren vom Eis nach Dänemark verfrachtet wurde. Die andere, etwa 19 Tonnen schwere Hälfte wurde als Deckstein des Grovlegård- oder Agri-Dolmen knapp zwei km nordöstlich von Poskær Stenhus verwendet. Solche Paarsteine sind ein bekanntes geologisches Phänomen, man findet sie an vielen Stellen in der Natur und infolgedessen wurden sie auch beim Bau etlicher Megalithgräber verwendet. Die Zwillingssteine entstehen meist auf natürlichem Wege: Durch den häufigen Wechsel zwischen Frost und Tauwetter im Frühjahr und Herbst gelangt Wasser in die natürlichen Ritzen und Sprünge des Steins, der irgendwann durch den Druck des Eises gesprengt wird.

Agri-Dysse
Der Zwillingsstein des Decksteins von Poskær Stenhus liegt als Deckstein auf dem Agri-Dolmen, rund 2 km nordöstlich von Poskær Stenhus

Technologisch gesehen spricht nichts dagegen, daß die ersten Ackerbauern der Trichterbecherkultur bei der Spaltung des Steins "nachgeholfen" haben. Die Steine für den Bau des Dolmens könnten sie am Rand der nahegelegenen Knebel-Bucht geholt haben. Hier findet man noch heute viele große Steine. Mit Hilfe von Feuer, Wasser und Holzkeilen wurden die Steine an der Küste gespalten und danach mit Schlitten, hölzernen Rollen und Zugseilen zum Bauplatz befördert.

Poskær Stenhus ist nie systematisch durch archäologische Ausgrabungen untersucht worden, mit Ausnahme einer einzigen geschliffenen Steinaxt sind keine Funde bekannt. Es ist heute auch nicht gesichert, welche Teile des heutigen Dolmens ursprünglich sichtbar waren. Während der Trichterbecherkultur ändern sich die Bau- und Begräbnissitten der Dolmen und der späteren Hügelgräber. Wahrscheinlich war die Grabkammer zumindest teilweise durch einen aus Erde und Steinen aufgeschütteten Hügel innerhalb der großen Randsteinkette verborgen und geschützt. Zwei der Tragsteine des Ganges stehen außerhalb der Kammer und am Boden des Eingangs zur Kammer kann man einen schräggestellten Schwellenstein erkennen, der vermutlich die Position einer Tür zwischen Gang und Kammer markiert. Die erste bekannte Beschreibung von Poskær Stenhus aus dem Jahr 1763 erwähnt auch zwischen der großen Randsteinkette und der Grabkammer eine kleinere Randsteinkette, die jedoch heute verschwunden ist.

Poskær Stenhus, Eingang zur Grabkammer
Der Eingang zur Grabkammer von Poskær Stenhus

Im mit Ausnahme von Bornholm ansonsten felslosen Dänemark waren große Steine schon immer als Baumaterial begehrt. Deshalb sind die meisten der altertümlichen Steindolmen und Hügelgräber heute entweder ganz verschwunden oder durch Steinhauerei stark beschädigt. Auch Poskær Stenhus ist hier keine Ausnahme: Der fehlende Randstein südöstlich der Kammer, ein mit Pulver gesprengter Stein innerhalb der Randsteinkette westlich der Kammer und ein teilweise abgeschlagener Tragstein auf der Südseite der Kammer zeugen von der Steinhauerei im 19. Jahrhundert.

Wenn der Dolmen heute noch immer an Ort und Stelle steht und nicht bloß ein Fleck auf einer Karte und eine Beschreibung in der zentralen Datenbank des Nationalmuseums ist, so ist dies vor allem das Verdienst des örtlichen Pfarrers in Knebel, der 1859 den damaligen Eigentümer des Dolmens, den Bauern Ole Hansen, davon abhielt, ihn in hantierbare Stücke zu sprengen. Nach einem langen und harten Kampf gelang es erst nach Hinzuziehung mehrerer Autoritätspersonen, u.a. J.J.A. Worsaae vom Altnordischen Museum in Kopenhagen als letztem und entscheidenden, Poskær Stenhus unter Denkmalschutz zu stellen. Ole Hansen verpflichtete sich und künftige Eigentümer, den Fortbestand des Dolmens an Ort und Stelle in aller Ewigkeit zu gewährleisten. Außerdem sollte jederzeit kostenloser Zugang zum Dolmen bestehen. Trotzdem wurde der heute fehlende Stein in der Randsteinkette erst um 1890 entfernt, nachdem ein Steinhauer aus Århus den Dolmen aufgekauft hatte. Einer Überlieferung zufolge verhinderte nur ein rasches Eingreifen des örtlichen Gemeindevogts von Agri mit den Worten "Ich verbiet's im Namen des Königs und des Gesetzes!", daß der ganze Dolmen in kleine Stücke geschlagen wurde. Seitdem hat das Nationalmuseum Poskær Stenhus zweimal restauriert, 1900 und 1943, wobei mehrere umgestürzte Randsteine wieder aufgestellt wurden.

Poskær Stenhus, Grabkammer

Auch in der Welt der Sagen und Märchen hat Poskær Stenhus seinen Platz: Eine Sage erzählt, daß einst eine Trollfamilie im Dolmen gewohnt hatte. Die Trollfrau hatte angeboten, kostenlos Garn zu spinnen für die Frau auf dem nahegelegenen Hof, wenn diese ihren Namen erraten könne. Eines Abends hörte der Bauer die Trollfrau im Dolmen für ihre Kinder singen, wobei sie den Namen "Hottetejlil" gebrauchte. Als aber die Bauersfrau am folgenden Tag die Trollfrau mit diesem Namen grüßte, war die Zusammenarbeit beendet.


Quellen und weiterführende Literatur

  • EBBESEN, Klaus (1993): Stendysser og jættestuer. Odense Universitetsforlag, Odense.

  • KRISTIANSEN, Karsten (2002): På tur i Djurslands fortid. Århus Amt Natur og Miljø, Århus.

  • KRISTIANSEN, Karsten, JØRGENSEN, Johannes Liingaard, JENSEN, Poul Henning (Red.)(2002): Poskær Stenhus - Danmarks største runddysse. Fortidsminder i Århus Amt - En Guide.

  • MATHIASEN, Therkel (1959): Stenalderens mindesmærker i landets forskellige egne. In: BURE, Kristijan (Red.): Stenalderen. Turistforeningen for Danmark, Årbog. Det Berlingske Bogtrykkeri, Kopenhagen.

  • MICHAELSEN, Karsten Kjer (2002): Politikens bog om Danmarks oldtid. Politikens Forlag, Kopenhagen.



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