Schiff mit Hund, Frottage
Geschichte und Geschichten aus Skandinavien
Schiff mit Hund, eingemalt

Tanums Hällristningsmuseum Underslös

Dokumentation und Registrierung von Felsbildern


Felsbilder haben die Menschen schon immer fasziniert, von Glaube und Aberglaube bis hin zu neuzeitlichen Deutungen. Noch lange nachdem sie als magische, heilige Symbole während der Bronzezeit in den Fels gehauen wurden und im religiösen Kult ihrer Zeit eine wichtige Rolle spielten, lebten sie im Volksglauben weiter. Sowohl Wissenschaftler als auch Amateure beschäftigen sich seit Jahrhunderten damit, den Bildern ihre Geheimnisse zu entlocken. Die Blickwinkel der Deutungen und Interpretationen haben sich dabei seit der ersten bekannten Dokumentation eines Felsbilds im Jahre 1627 immer wieder verändert (siehe "Der Schuhmacher von Backa - Felsbildbetrachtung im Wandel der Zeit").

Seit 1978 betreibt die Scandinavian Society for Prehistoric Art unter der Leitung von Gerhard Milstreu das 1952 von dem dänischen Künstler Fred Gudnitz gegründete Tanums Hällristningsmuseum in Underslös mit dem Ziel, die Felsbilder in der Region Tanum, seit 1994 UNESCO Weltkulturerbe, systematisch zu dokumentieren. Das Museum hat in den vergangenen 35 Jahren Methoden zur Dokumentation der Felsbilder entwickelt und verbessert, und vermittelt sie im alljährlich im Juli stattfindenden Arbeitsseminar an interessierte Fachleute und Laien aus der ganzen Welt.


Schiff mit Besatzung, Bro Utmark
Gut erhaltene Felsritzung im "Naturzustand". Boot mit Besatzung, Bro. Foto: Joachim Henkel


Dokumentation und Registrierung von Felsbildern

Während der gesamten Forschungsgeschichte hatten Reproduktion und Veröffentlichung von Felsbildern vor allem die Aufgabe, dieses umfangreiche und geographisch weit verstreute Material für Studien aller Art zugänglich zu machen. Ein reproduziertes Motiv konnte ja jederzeit vor Ort besichtigt werden, wenn genauere Studien erforderlich waren oder die Korrektheit der Reproduktion untersucht werden mußte. Es ist sehr schwierig, eine Felsritzung hundertprozentig korrekt wiederzugeben, und viele frühere Studien basieren auf ungenauen oder fehlerhaften Bilddarstellungen.

In den letzten Jahren ist noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzugekommen: Die immer schneller fortschreitende Verwitterung der Felsbilder. Heute müssen die Felsbilder vor allem dokumentiert werden, um das Bildmaterial überhaupt in Form von Reproduktionen bewahren zu können. Sowohl die künftige Forschung als auch die an ihrer Vorgeschichte immer mehr interessierte Öffentlichkeit werden auf reproduziertes Dokumentationsmaterial wie z.B. Abreibungen (Frottagen), Zeichnungen und Fotos angewiesen sein. Leider sind viele Felsoberflächen bereits in kritischem Zustand, und ein großer Teil der Felsbildlokalitäten, die heute dokumentiert werden, sind dabei, in den kommenden Jahrzehnten schlicht und einfach zu verschwinden. Eine über 3000 Jahre alte Bildtradition nähert sich ihrem Ende.


Umweltschäden

Umweltschäden, u.a. Verwitterungsschäden an bzw. auf Altertumsdenkmälern, stehen schon lange im Fokus der Öffentlichkeit. Der Zustand der Felsbilder, u.a. in der Region Tanum, verschlechtert sich derzeit drastisch. Grund hierfür sind vom Menschen verursachte Umweltveränderungen, vor allem die Umweltverschmutzung. Wichtige Faktoren, die die Verwitterung der Felsbilder beschleunigen, sind saurer Regen, Humussäuren, die in neugepflanzten Wäldern entstehen, sowie Einflüsse durch die Flora auf den Felsoberflächen, insbesondere durch Flechten und Moose.

Flechtenbewuchs, Jörlov
Felsritzung mit starkem Flechtenbewuchs, Jörlov.
Foto: Joachim Henkel
Moosbewuchs, Trättelanda
Felsritzung mit starkem Moosbewuchs, Trättelanda.
Foto: Joachim Henkel

Die Umweltdebatte der 1980er Jahre wurde für die Felsbildforschung von entscheidender Bedeutung. Die öffentliche Aufmerksamkeit richtete sich auf die schon bekannten Umweltprobleme und Tanums Hällristningsmuseum beschloß, die langjährige Erfahrung in der Dokumentation von Felsbildmotiven und -kompositionen zur Dokumentation ganzer Felsbildflächen zu nutzen. Ende der 80er Jahre machte das Museum die systematische Neudokumentation ganzer Felsbildflächen zu einem festen Bestandteil des alljährlich stattfindenden Arbeitsseminars, mit dem Ziel, Interesse und Wissen im Zusammenhang mit Tanums Felsbildern zu verbreiten und neue Generationen in der Felsbilddokumentation auszubilden, aufbauend auf der vom Museum entwickelten Methode, die heute in mehreren europäischen Ländern angewendet wird.

Schweden ergriff 1989 die Initiative zu einem Projekt mit dem Ziel, den Einfluß der Umweltverschmutzung auf Kulturdenkmäler, u.a. Felsbilder, zu untersuchen und einen Überblick über den Umfang der Schäden zu bekommen. Das Projekt wurde vom schwedischen Reichsantiquarsamt (Riksantikvarieämbetet, Raä) geleitet, das auf Basis der Ergebnisse kurz- und langfristige Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Kulturdenkmäler ergreifen soll.

Aspeberget mit Schutzmauer
Felsen von Aspeberget mit Schutzmauer, die ein Herabrinnen von
Wasser über die Felsbilder verhindern soll. Foto: Joachim Henkel
Abdeckung Aspeberget
Versuch zur Abdeckung von Felsritzungen mit geeigneten
Schutzmatten, Aspeberget. Foto: Joachim Henkel


Entwicklung neuer Methoden

Der Verwitterungsgrad der Granitoberflächen variiert stark zwischen unterschiedlichen Felsbildflächen, aber auch innerhalb einzelner Flächen. Die Bandbreite reicht von einer intakten Oberfläche mit unbeschädigten Ritzungen bis hin zu vollständiger Verwitterung eines Bereichs mit bekannten Felsbildern, die in jüngerer Zeit verschwunden sind.

Verwittertes Felsbild, Litsleby
Stark verwitterte Felsritzung auf einem Felsen in Litsleby.
Foto: Joachim Henkel
Verwittertes Felsbild, Underslös
Stark verwitterte Figur auf einem Felsen
bei Underslös. Foto: Joachim Henkel

Der Anspruch an die verwendeten Dokumentationsmethoden und an die Menschen, die die Dokumentation vornehmen, ist hoch. Eine unbeschädigte Oberfläche ist natürlich leicht zu dokumentieren, und die eingehauenen Figuren sind mit hoher Sicherheit korrekt reproduzierbar. Bei verwitterten Oberflächen ist das anders. Je stärker die Verwitterung, desto schwieriger ist es, die ursprüngliche Figur korrekt wiederzugeben. So muß man entweder eine gewisse Unsicherheit akzeptieren oder auf die Wiedergabe von Figuren verzichten, die man aufgrund der Verwitterung nicht korrekt wiedergeben kann. Eine dritte Möglichkeit wäre, diejenigen Figuren besonders zu markieren, die aufgrund der Verwitterung mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor wiedergegeben sind. Dies ist tatsächlich eine ethische Diskussion, die es in der Felsbildforschung zuvor noch nicht gegeben hatte. Deshalb gibt es auch keine gemeinsamen Normen für die Wiedergabe und für die Ansprüche an die Korrektheit der Dokumentation.

Eine weitere Diskussion dreht sich um die Frage nach einer standardisierten Dokumentationsmethode. Die Diskussion wird geprägt von individuellen Standpunkten, u.a. bezüglich so zentraler Begriffe wie Methoden, Format, Qualitätsansprüche, Registrierung und ergänzende Informationen.

An Tanums Hällristningsmuseum in Underslös gibt es eine langjährige Tradition und Erfahrung auf dem Gebiet der Dokumentationstätigkeit. Am Museum werden die verschiedenen Phasen der Dokumentation ständig weiterentwickelt und die Eignung der Methoden bezüglich der unterschiedlichen Verwitterungsgrade der Felsritzungen bewertet. Die Frottagemethode ist nach wie vor die Primärmethode, da es derzeit keine andere praktisch durchführbare Methode gibt, die eine Felsoberfläche genauer wiedergeben kann.

Die Frottagemethode ist eine völlig objektive Methode. Dabei wird die Felsoberfläche mit Hilfe eines um einen zusammengerollten Lappen gewickelten Kohlepapiers auf einen auf dem Felsen aufliegenden Papierbogen (100 x 70 cm) abgerieben. Die Kohle wird anschließend mit Gras fixiert. Die Methode gibt sowohl die Felsoberfläche als auch die Felsbildfiguren mit all ihren Details sehr exakt wieder. Im Jahr 1999 begann das Museum die Frottagedokumentationen zu scannen und zu digitalisieren. Die Methode erwies sich auch als geeignet zur Dokumentation stark verwitterter Felsritzungen. Eine digitale Montage der einzelnen Frottagebögen, verkleinert im Maßstab 1:10, komprimiert die Konturen und ermöglicht so die genauere Identifizierung stark verwitterter Figuren.

Eine Frottage ist jedoch keineswegs ein eindeutiger Vorgang, der immer, und immer auf die selbe Weise, funktioniert - es gibt Qualitätsunterschiede. Die Anwendung der Frottagemethode erfordert Ausbildung, Erfahrung und präzises Arbeiten.

Die Dokumentation muß als Gesamtdarstellung der Felsfläche betrachtet werden, d.h. mit Figuren, unterschiedlichen Verwitterungstypen und -graden sowie deren Ausbreitung, Rissen in der Felsoberfläche, und Bereichen mit Flechten- und Moosbewuchs. Die Komplexität der tatsächlichen Verhältnisse erfordert eine differenzierte Methode, die die ursprüngliche Form der Felsritzungen möglichst präzise wiedergeben kann.


Die einzelnen Schritte der Dokumentationsmethode

1. Lokalisierung. Bei Tageslicht kaum erkennbare und/oder stark verwitterte Motive werden im Dunkeln bei schräger Beleuchtung identifiziert und eventuell fotografiert. Generell sollte man alle Motive der zu dokumentierenden Fläche beachten, insbesondere dort, wo der Felsen verwittert ist. Die einzelnen Motive werden zunächst mit Kreide markiert, bei schwer unterscheidbaren Figuren werden die Konturen nachgezeichnet.

Sotetorp, Nachtbeleuchtung
Lokalisierung und Identifizierung von Felsbildern bei schräger
Beleuchtung im Dunkeln, Sotetorp. Foto: Joachim Henkel / THU
Kreidemarkierung, Hakebytorp
Felsbilder auf einem Felsen bei Hakebytorp mit Kreide nachgezeichnet.
Foto: Joachim Henkel

2. Die Frottagetechnik. Die ganze Felsbildfläche wird in einem Koordinatensystem in Einzelflächen von je 100 x 70 cm eingeteilt, der Größe der Papierbögen, die für die Frottagetechnik verwendet werden. Für gewöhnlich wird ein Papiergewicht von 90-110 Gramm verwendet, für schwierige oder unklare Details auch feineres Papier. Die Bögen werden meist in horizontalen Reihen ausgelegt, so daß bei Bedarf mehrere Leute gleichzeitig arbeiten können. Besonders wichtig ist eine homogene Bearbeitung der Bögen, um sowohl größtmögliche gleichmäßige Genauigkeit als auch einen möglichst ästhetischen Gesamteindruck zu erreichen.

Frottagetechnik, Synchronarbeit
Mehrere Seminarteilnehmer arbeiten parallel an der Dokumentation mit der Frottagetechnik auf einem Felsen bei Ryk. Foto: Attie Logger / THU

3. Einmalen. Um die ganze Felsbildfläche mit allen Ritzungen gut fotografieren zu können, werden die Ritzungen eingemalt, um so eine bessere Kontrastwirkung zu erreichen. Im Lauf der Jahre hat das Museum verschiedene Farbstoffe verwendet, die für die Granitoberfläche unschädlich sind:

  • Polysaccharide, in Wasser aufgeschlämmt. Leicht zu retuschieren, wenn die Einmalung einer Figur korrigiert werden muß. Gut geeignet für undeutliche Figuren.
  • Schlämmkreide. Neutralisiert auch das saure Milieu auf der Felsoberfläche und hat einen positiven Effekt auf die Mikroflora.
  • Aufgeschlämmter Quarz. Neutral, Bestandteil von Granit, beeinflußt die Felsoberfläche nicht.

Einmalen von Felsritzungen
Einmalen von Felsritzungen auf einem Felsen bei Tegneby. Foto: Joachim Henkel / THU

Alle drei Stoffe werden weiß, wenn sie trocknen - sie geben damit einen guten Kontrast zum Fotografieren. Sie können problemlos weggebürstet werden oder verschwinden, wenn es regnet. Sie haben keine Wirkung auf die Felsoberfläche und hinterlassen keine Spuren.

Balken, Sonnenpferd eingemalt
Das Sonnenpferd von Balken, mit Kreide eingemalt.
Foto: Joachim Henkel / THU
Tegneby, eingemalte Figuren
Eingemalte Figuren auf einem Felsen bei Tegneby.
Foto: Joachim Henkel / THU

4. Fotografie. Digitalfotografie, traditionelle Schwarzweißfotografie, oder Dias. Aufgrund von Unsicherheiten bezüglich der Speicherung von Digitalfotos bevorzugen manche Museen nach wie vor einfache Schwarzweißfotos.

Fotodokumentation, Ryk
Fotodokumentation an einem Felsen bei Ryk.
Foto: Joachim Henkel / THU
Fotodokumentation, Lövåsen
Das Fotografieren der eingemalten Felsen (im Bild Lövåsen) erfordert manchmal
Kreativität und ungewöhnliche Methoden. Foto: Henning Prøhl / THU

5. Registrierung. Systematische Erfassung der Figuren und der relevanten Verältnisse auf dem Felsen und in dessen näherer Umgebung, eventuell auch des archäologischen Kontexts.

Registrierung der Felsbilder
Registrierung der Felsbilder, Erfassung der Figuren.
Foto: Joachim Henkel / THU
Registrierung der Felsbilder
Registrierung der Felsbilder, Skizzierung der Felsbildfläche.
Foto: Henning Prøhl / THU

6. Digitalisierung. Die einzelnen Frottagebögen werden gescannt und digital zu einer Montage der gesamten Felsbildfläche zusammengesetzt.

Montage Ryk T-217:2
Digitale Montage der gescannten Frottagebögen vom Felsen T-217:2 in Ryk. Sämtliche Details der Felsbildfläche sind
auf den Frottagen erkennbar: Felsritzungen, die Struktur der Felsoberfäche mit Verwitterungsschäden, eiszeitlichen
Schleifspuren, sowie Rissen und Sprüngen im Felsen. Tanums Hällristningsmuseum Underslös


Objektivität

Für die Forschung bietet die Dokumentation in Form von Frottagen, eventuell ergänzt mit Nachtfotos, das eigentliche Grundlagenmaterial - eine Methode, die der objektiven Reproduktion am nächsten kommt - und dies ist sozusagen die eigentliche Dokumentation.

Im Gegensatz dazu sind die Fotografie der eingemalten Felsbilder und die Nachbearbeitung mit den oben genannten Methoden eher hinsichtlich Vermittlung und Veröffentlichung von Bedeutung. Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Schritte auf einer Interpretation beruhen: Derjenige, der die Ritzungen einmalt, muß interpretieren. Diese Methode kann also nicht als vollständig korrekte Dokumentation betrachtet werden sondern muß als Illustration definiert werden.

Frauenfigur Sotetorp, Naturzustand
Frauenfigur, Sotetorp, Naturzustand.
Foto: Joachim Henkel / THU
Frauenfigur Sotetorp, Frottage
Frauenfigur, Sotetorp, Frottage.
Foto: Joachim Henkel / THU
Frauenfigur Sotetorp, eingemalt
Frauenfigur, Sotetorp, eingemalt.
Foto: Joachim Henkel / THU


Registrierung

Die Registrierung der Felsbilder wird als Teil der Dokumentation in einer zentralen Datenbank abgelegt, dem SvensktHällristningsForskningsArkiv (SHFA, dt. Schwedisches Felsbild-Forschungs-Archiv), in Zusammenarbeit mit der Universität Göteborg. In diesem Archiv sollen alle Daten über Dokumentation und Registrierung von Felsbildern in ganz Schweden gesammelt werden. Die Registrierung umfaßt:

  • Identifikation: Landesteil, Gemeinde, Felsname, Raä-Nummer, Kartenname und Koordinaten, GPS-Angaben
  • Verweise auf frühere Dokumentationen und Registrierungen
  • Das Objekt selbst: Abmessungen und Orientierung der Felsfläche sowie Art der Ritzungen
  • Figurtypen: Art der vorkommenden Figuren, Anzahl, Abmessungen
  • Zustand: Verwitterungsschäden, Vegetation auf dem Felsen
  • Milieu: Umweltfaktoren auf der Felsfläche und in deren Umgebung
  • Archäologischer Kontext


Systematik und Aufbewahrung

Das Dokumentationsprojekt wird im Lauf der Zeit zehntausende Frottagebögen hervorbringen. Dies erfordert eine Aufbewahrungssystematik, die es ermöglicht, schnell eine bestimmte Ritzung oder einzelne Figuren zu identifizieren und die entsprechenden Frottagen leicht wiederzufinden. Diese Systematik beruht auf der skizzenartigen Erfassung der einzelnen Felsbildflächen mit ihren einzelnen Frottagen in einem einfachen Koordinatensystem. Die Frottagen selbst werden in einem brandsicheren Archiv an Tanums Hällristningsmuseum aufbewahrt, gesammelt nach einzelnen Felsbildflächen und anhand ihrer Position im Koordinatensystem numeriert. Der große Felsen von Vitlycke (Raä-Nummer T-1:1) umfaßt allein 226 Frottagebögen. Das Dokumentationsmaterial ist für Interessenten am Museum öffentlich zugänglich.

Schiff mit Akrobaten, Sotetorp
Schiff mit Akrobaten, Sotetorp.
Foto: Joachim Henkel
Schiff mit Akrobaten, Sotetorp, Frottage
Schiff mit Akrobaten, Sotetorp, Frottage.
Foto: Joachim Henkel / THU
Schiff mit Akrobaten, Sotetorp, eingemalt
Schiff mit Akrobaten, Sotetorp, eingemalt.
Foto: Joachim Henkel / THU


Ansprüche an das Dokumentationsprojekt

Die Dokumentation von Felsbildern ist eine technische und ethische Herausforderung, sie verlangt vollständige Objektivität, die jedoch nie ganz erreicht werden kann. Die beste "Dokumentation" hinterließen die Menschen der Bronzezeit auf den Felsen - und die verschwindet nach und nach. Die Situation ist so kritisch, daß die künftige Forschung häufig auf Dokumentationen beruhen wird, d.h. auf reproduziertem Material. Dies stellt große Ansprüche an das Dokumentationsprojekt:

  • Die Arbeit erfordert Ausbildung und größtmögliche Präzision bei der Durchführung.
  • Die verwendeten Methoden dürfen den Verwitterungszustand nicht verschlimmern. Man benötigt Informationen über alle Faktoren, die die Zerfallsprozesse beschleunigen, um wirkungsvolle Schutzmaßnahmen auf den Felsen einleiten zu können.
  • Zusammenarbeit und maximale Ausschöpfung der stark begrenzten Ressourcen. In den letzten Jahren gab es eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Reichsantiquarsamt, Tanums Hällristningsmuseum und der Universität Göteborg in allen Bereichen, die mit Dokumentation, Registrierung und Koordinierung zu tun haben.
  • Die Archivierung. Die Originaldokumentationen liegen in Papierform vor, das Museum hat viel Erfahrung mit deren Haltbarkeit und Aufbewahrung. Alle anderen Informationen werden elektronisch archiviert, auf diesem Gebiet hat das Museum viel Optimismus - aber wenig Erfahrung.

Das Problem ist heute: Wie können dieser Bilderreichtum und dieses Kulturerbe für die Nachwelt bewahrt werden? Nicht nur als dokumentierte Reproduktionen sondern auch künftig als Bilder auf den Felsoberflächen? Die Frage kann heute nicht beantwortet werden, aber die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet ist gestiegen. Einige der weltgrößten Felsbildregionen stehen heute wie Tanum auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO und zwischen 1997 und 2005 war Tanum außerdem durch drei EU-Projekte begünstigt:

  • Interreg II (Schweden und Norwegen),
  • The RockCare project / EU-Raphael-programme (Schweden, Finnland, Italien, Frankreich und Portugal),
  • Interreg III Rock Art in Northern Europe (RANE), eine Zusammenarbeit zwischen Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland.

Finanzielle Mittel wurden zur Verfügung gestellt, u.a. um Erhaltung und Dokumentation eines vorhistorischen Kulturerbes zu fördern (Interreg IIA und Interreg IIIA), auch als Anerkennung der Bedeutung der Vorzeit für die Menschen der Gegenwart.


Ausgrabungen - Archäologischer Kontext

Systematisch durchgeführte Ausgrabungen an Felsbildlokalitäten sind eine relativ junge Disziplin innerhalb der Archäologie. Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und an nahezu allen Stellen, an denen Ausgrabungen durchgeführt wurden, kamen interessante Spuren menschlicher Aktivitäten zu Tage.

Innerhalb der skandinavischen Archäologie gab es vor allem vor den 1960er Jahren eine deutliche Distanz zwischen den wenigen Archäologen, die mit Felsbildern arbeiteten, und denjenigen, die sich mit Ausgrabungen an Siedlungsstätten, Gräbern und dergleichen beschäftigten. In den letzten Jahren hat sich dieses Verhältnis verändert, die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr auf die Zusammenhänge zwischen den Felsbildern und den Ausgrabungsfunden. Die Forschungstraditionen verändern sich, man beginnt, die Felsbilder und das archäologische Fundmaterial als gleichwertige Informationen in einem archäologischen Gesamtkontext zu sehen, die Bilder als Informationsquelle zu nutzen im Streben nach einer tieferen Einsicht in vorgeschichtliche Perioden. Die Bilderwelt der Bronzezeit wird immer mehr verwendet, um sowohl die weltlichen als auch die religiösen Aspekte der vorgeschichtlichen Gesellschaft zu verstehen.


Programm und Informationen zum Arbeitsseminar 2017:

Das Arbeitsseminar "Dokumentation und Registrierung von Felsbildern" an Tanums Hällristningsmuseum Underslös vom 22. bis 29. Juli 2017


Anmerkungen

Teile des vorliegenden Artikels sind eine auszugsweise Übersetzung entsprechender Passagen aus dem von Tanums Hällristningsmuseum Underslös herausgegebenen unten aufgeführten Band Nr. 3 über Dokumentation und Registrierung von Felsbildern.

Die mit dem Zusatz "THU" (Tanums Hällristningsmuseum Underslös) hinter dem Namen des Fotografen markierten Fotos wurden während der Arbeitsseminare 2008 bis 2012 aufgenommen.

Mein besonderer Dank gilt Gerhard Milstreu, Tanums Hällristningsmuseum Underslös, für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Texte und der während der Arbeitsseminare 2008 bis 2012 aufgenommenen Fotos.

Dik Parlevliet hat einen Videoclip vom Arbeitsseminar 2008 auf YouTube zur Verfügung gestellt: "Tanum's Adorants - Rockart in Sweden" (Dauer: 4:30 Minuten).

Ebenfalls auf YouTube steht ein Filmausschnitt zur Verfügung, der als Teil des Programms "Europas hoher Norden" im Dezember 2011 auf Arte gesendet wurde: "Die Felsbilder von Tanum" (Copyright: Dr. Wilfried Hauke, dmfilm und tvproduktion, Hamburg) (Dauer: 8:36 Minuten).


Quellen und weiterführende Literatur



©2010/2017 Joachim Henkel / Tanums Hällristningsmuseum Underslös